Net-PCs mit Linux


I. Arbeitsplätze an Net-PCs / DXS

II. Einrichten der Diskless X-Stations

III. Fazit/Ausblicke/Weiterführende Links


I. Arbeitsplätze an Net-PCs

0.Vorbetrachtungen / Probleme klassischer Lösungen

A. Steigende PC-Arbeitsplatzanzahl

Eine wachsende Zahl von Arbeitsplätzen, wie sie auch gerade im Bereich des Studierendennetzes zu beobachten ist, bringt mit den bisherigen Lösungen der klassischen PC-basierten Client-Server-Installation wachsende Kosten und ausufernden Administrationsaufwand mit sich. Mit der Ablösung der alten zentralen Mainframes durch dezentralisierte, später vernetzte PCs, änderte sich die Struktur der Betriebskosten. Zu den zentralen Servern kommen ein aufwendiges Netz und üppig ausgestattete Arbeitsplatzrechner hinzu. Sind die Einzelsysteme als vollständige Standalone-Lösungen realisiert und ist man nicht bereit, sehr viel Geld in Spezialsoftware zum zentralisierten Management zu stecken (oder diese selbst zu erstellen), gerät man sehr schnell in eine Sackgasse. Die Zeit der Wartungsmannschaft wird nur noch mit Routineaufgaben aufgehalten. Es entsteht ein hoher Bedarf an Administration und Ressourcen, sowie Probleme mit der Migration in nächsthöhere Generationen.

B. Ausfallrisiko der Arbeitsplatzrechner

Weitere Risiken der herkömmlichen Architekturen liegen im Ausfall einzelner Komponenten der Arbeitsplatzsysteme. Fällt hier eine Festplatte oder ein anderer Teil der Hardware aus, sind meistens höhere Aufwendungen nötig, um die Arbeitsstation incl. ihrer angepassten Benutzerumgebung wieder in Betrieb zu nehmen, Tücken liegen im Zusammenspiel der Hardware und spezieller Anpassungen der User.

Backups in dezentralen Umgebungen sind trotz vorhandener zentraler Fileserver immer noch stark dem Einzelnen überlassen und damit ein Stück weit Glückssache. Weiterhin gibt es Sicherheitsbedenken, wenn an dezentralen Arbeitsstationen sensible Daten liegen oder diese sehr einfach entfernt bzw. kopiert werden können.

Durch unbedachtes Ausschalten des Computers bzw. Stromausfälle kommt es sehr leicht zu Beschädigungen am Dateisystem bzw. zu Totalausfällen. Darüberhinaus sind BenutzerInnen es gewohnt, im Falle eines Rechnerstillstandes den Resetknopf zu drücken, da ihnen dieses von einem weitverbreiteten Betriebsystem als einzige Lösung nahegelegt wird. Dieses Nutzerverhalten sollte in Betracht gezogen und Systeme entsprechend designt werden.

C. Thin-Clients, Net-PC's, X-Terminals

Thin-Clients oder vor einigen Jahren noch Network Computer (NC) oder auch Net-PC sind also wieder 'en vogue'. Die Abgrenzung seitens der Hersteller ist hier nicht sehr eindeutig, was aber für uns nicht von grosser Bedeutung ist, da die hier vorgestellte Lösung auf klassischen PC-Komponenten basiert, welche durch ihre Präsenz am Massenmarkt die Kostengünstigsten sind. X-Terminals unter Linux, klassische Vertreter der Net-PC's, lösen einige Probleme hinsichtlich der grossen Anzahlen von Arbeitsplätzen, der damit anfallenden Arbeit bzw. der Hardwareerfordernisse.

D: Zukünftige Anforderungen

Die Leistung aktueller Hardware zum gleichen Preis steigt, die Anforderungen seitens der BenutzerInnnen und der Software wachsen mit (oder noch schneller :-)). Hinzu kommen immer neu Nutzungsformen des klassischen Rechners und des Internets; die Zahl der an einen PC anschliessbaren Peripheriegeräte wächt ständig. Zunehmende Rechnermengen lassen Forderungen nach lärmreduzierten Geräten immer lauter werden.

1. Diskless X-Stations (DXS) als Lösung des Problems

A: Warum eine Linux-Lösung?

Warum kam Linux zum Einsatz? Es gibt eine Reihe von Herstellern von X-Terminals und Thin-Clients mit Multi-Connect-Funktion. Diese Geräte können auf ein oder mehrere Servertypen zugreifen. Es gibt Lösungen, die nur das Windows-Metaframe-Format (bzw. Terminalserver) bzw. xdmcp unterstützen, aber auch Hybridlösungen. Die Geräte klassischer Terminalhersteller sind meist recht teuer und proprietär, d.h. man legt sich, wie z.B. mit der Sun-Raylösung von Sun Microsystems auf ein Konzept fest. Microsft hingegen setzte lange auf die klassischen Workstations, Thin Clients wurden erst vor nicht so langer Zeit ins Konzept aufgenommen.

Viele Dritthersteller bieten Hybridlösungen an, die mehrere Protokolle unterstützen. Diese Geräte basieren aber in den meisten Fällen schon auf Linux, das meistens auf einer "Solid State Disk" untergebracht ist. Lösungen auf WinCE-Basis zeichnen sich bei gleicher Funktionalität durch einen höheren Preis aus. Vor- und Nachteile der erstgenannten Lösung liegen in einer gewissen Autonomie des Geräts aber im höheren Aufwand die Software zu updaten und höheren Kosten für das Speichermedium. Die WindowsCE-Lösung bietet die üblichen Vor- und Nachteile kommerzieller Betriebsysteme: Eine gute Anbindung an die Produkte des gleichen Herstellers, meistens Ignoranz gegenüber weiteren Lösungen und hohe Kosten bei Updates.

Ziel war es eine hoch flexible Lösung zu erstellen, die ohne die Beschränkung durch Lizenzen auskommt. Die Reduktion auf eine minimale Softwareausstattung der Clients und eine Verwendung von PC-Standardkomponenten ergab die gewünschten Eigenschaften.

B: Wiederaufnahme einer alten Idee

Diskless X-Stations, als eine Form des Net-PCs, wie sie von SUN und anderen Herstellern von Unix­Servern schon vor mehr als 10 Jahren eingeführt wurden, können helfen, die eingangs angesprochenen Probleme zu lösen: Alle Benutzerprozesse werden wieder auf die lokale Maschine zurückverlagert, der Server wird nur durch die Bereitstellung des Dateisystems belastet.

Jedem Benutzer steht nun wieder ein garantiertes Leistungspotential zur Verfügung, welches er nicht mit weiteren Usern und Prozessen teilen muss. Zugriffe auf Laufwerke, wie ZIP-Drives, LS120 und Floppylaufwerke gestalten sich nun einfacher und für den Nutzer nachvollziehbarer, da sie nun an der lokalen Maschine vonstatten gehen. Die Benutzung weiterer Schnittstellen, wie des an vielen Systemen nun standardmässig vorhanden USB-Ports und der Audioschnittstelle, vereinfacht sich. Externe Mobilgeräte der Nutzer, wie am Parallelport anschliessbare Wechselmedien, USB-Scanner etc. lassen sich nun leichter anschliessen.

Die Rechner werden leiser, da auf eine bzw. mehrere Festplatten verzichtet wird.

C: Geringerer Administrationsaufwand

Hardwareausfälle lassen sich nun leichter beheben, im Extremfall durch den Totalaustausch des betroffenen Gerätes, da keine Nutzerdaten mehr vor Ort liegen und die Softwarebasis an zentraler Stelle für die eingesetzte Hardware angepasst wird. Die geringere Zahl gerade an mechanisch empfindlichen Komponenten senkt das Ausfallrisiko jedes einzelnen Systems. In vielen Ausfallszenarien kann nun schneller reagiert werden, da der Einstellungsaufwand für den Einzel-PC stark gesunken ist. Vorgefertigte Ersatzrechner sind deshalb sofort wieder produktiv einsatzfähig.

Backups werden wie zuvor an zentraler Stelle vorgenommen, jedoch ist dazu keinerlei Benutzereingriff erforderlich. Vielmehr lässt sich nun der gesamte Datenumfang auf Festspeicherträgern leichter erfassen und archivieren. Sensible Daten liegen nun nicht mehr an verteilten Aussenstellen, sondern ihr Zugriff lässt sich nun zetral leichter kontrollieren.

Die nötigen Anpassungen der Software, die Einrichtung der Benutzerumgebungen geschehen ebenso zentral, sind überall im Netzwerk verfügbar und nicht mehr an einzelne Arbeitsstationen gebunden.

Die Administration kann nun in den meisten Fällen wieder zentral erfolgen, so dass lange Wege in vielen Fällen überflüssig werden. Die wichtigen Server werden an einem Ort unterhalten. Das Ausprobieren neuer Software geschieht auf gesonderten Systemen und wird eingespielt, sobald sie für einsatzfähig befunden wurde. Sodann kann sie sofort an allen Clients in der identischen Version benutzt werden.

So lässt sich das Versionenwirrwar in der Software und die damit verbundenen Probleme vermeiden. Die Effektivität der Arbeit steigt, wenn einheitliche Schnittstellen für alle BenutzerInnen zur Verfügung gestellt werden.

2. Anforderungen für eine Lösung mit DXS

A. Arbeitsplätze

Die Hardwareanforderungen für eine DXS liegen, was die CPU, Speicher und Grafikausstattung anbetrifft, im Bereich der Standalonesysteme, d.h. eine Ausstattung mit einer 300Mhz CPU und 64MB RAM aufwärts sollten vorgesehen werden. Eingespart werden kann in jedem Fall die Festplatte und das CD-Rom, so es nur als Installations- und Updatemedium diente. Spezielle Backupmedien, wie Bandlaufwerke oder CD-Schreiber muss das Basisgeraet nicht mehr beinhalten. Die Ausstattung mit weiteren Audio- und Videofeatures bzw. weiteren Schnittstellen zu Peripheriegeräten hängt von den Erfordernissen für den jeweiligen Arbeitsplatz ab. Eine 100Mbit-Netzwerkkarte mit Boot-ROM-Unterstützung, die auch über das Mainboard-BIOS realisiert werden kann, ist Pflicht.

Zudem deckt Linux als Betriebssystem eine breite Palette an Hardware ab, so dass die Migration zwischen den verschiedenen Rechner-Generationen leichter vonstatten geht.

B. Netzwerk

Die Anforderungen an das Netz sind gegenüber der X-Terminal-Lösung höher. Die Infrastruktur sollte bis zum Client auf 100Mbit ausgelegt sein. Sehr gute Erfahrungen konnten mit 100Mbit-Switches, welche über eine Gigabit-Backplane verbunden waren, gemacht werden. Hier belegen alle Server und einige DXS jeweils einen eigenen Port. Wenn sich mehrere Clients über eine weitere Switch einen Port teilen, kam es auch noch nicht zu Engpässen.

Die Arbeits- und Antwortgeschwindigkeit an einer Diskless X-Station hängt viel stärker von der Qualität der Netzwerkverbindung zum Server ab. Durch die Weiterentwicklungen am Markt für Netzwerkhardware sind die Anschlusskosten pro Port inzwischen so stark gesunken, dass die Kostenvorteile der eingesparten Hardware nicht wieder durch die aufzuwendenden Kosten für Netzwerkkomponenten aufgehoben werden.

C. Server

Der Server muss über eine leistungstarke NFS-Implementation und ausreichend Systemspeicher verfügen, um zügige Antwortzeiten zu gewährleisten. Ist eine höhere Konzentration von Clients auf einen Server geplant, kann sich die Investition in einen Gigabit-Uplink lohnen. Aus bisherigen Erfahrungen kann abgeleitet werden, dass eine Zahl von 50 Clients einen Pool von drei bis vier Dual-Prozessormaschinen der mittleren Leistungsklasse (Dual-Celeron, 400Mhz bei 66Mhz Bustakt und 384-512MB RAM) nicht zu stark überlastet. Leider liegen noch keine genauen Statistiken über das Userverhalten vor, so dass exakte Aussagen noch nicht möglich sind. In der beschriebenen Umgebung aus 50 Clients und drei (bis vier) Servern kann auch bei einem Ausfall oder Update von einem Geraet problemlos weitergearbeitet werden. Zu diesen Erfahrungen muss noch gesagt werden, dass die Server gleichzeitig X-Terminals bedienen, also auch noch durch Nutzerprozesse in Anspruch genommen werden.

Es ist sinnvoll diese Server redundant auszulegen, da dann der Ausfall eines Gerätes ein Weiterarbeiten an Arbeitsplätzen möglich bleibt. Updates lassen sich leichter realisieren, da dann immer ein System aus dem Nutzerbetrieb genommen werden kann.

Durch die Verlagerung der Nutzerprozesse auf die DXS ist es nicht mehr erforderlich, dass einzelne BenutzerInnen auf dem Server arbeiten. Hierdurch lässt sich die (Ausfall-)Sicherheit erhöht und unbedachte oder bewusste Denial of Service Attacken werden unwahrscheinlicher.


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Text von Dirk v. Suchodoletz (dirk@goe.net)

Letzte Änderung am 24.09.2000 um 01:48 (webmaster@goe.net).